Sonnenblumenglück

Selbst wenn du die Suche nach dem Richtigen längst aufgegeben hast, könntest du eines Tages von ihm gefunden und wachgeküsst werden.

Die eher bodenständige Melissa sehnte sich schon als kleines Mädchen nach einem Traumprinzen wie aus dem Bilderbuch. Leider ist dieser auch kurz vor ihrem 30. Geburtstag noch nicht in Sicht. Sie selbst kann außer einem grauen Büroalltag und ein paar Freunden wenig Aufregendes vorweisen. Als sie auf einem Wochenendtrip dem finnischen Musiker Jani begegnet, lässt sie sich nur zu gerne von ihm im Sturm erobern und mitreißen. Ohne zu zögern, verabschiedet sie sich von ihrem alten Leben und folgt ihm in seine Heimat.Doch wie viel Alltag verträgt ihre junge, leidenschaftliche Beziehung?Taugen Finnen in Tourbussen überhaupt als potenzielle Traummänner? Wie viele imaginäre Drachen müssen gejagt und Schlachten geschlagen werden, damit die große Liebe allen Widrigkeiten standhalten kann.

Leseprobe

Teil I – Melissa

„Wagner.“ Ich räusperte mich. „Melissa Wagner.“

„Nein, habe ich hier nicht, Frau Weber.“

„Wagner. Nicht Weber.“ Ich spürte, wie mein Blutdruck langsam aber sicher in die Höhe schoss. Wie ich das hasste. Was war an meinem Nachnamen denn bitte so schwer? Nein, daran oder an dem möglicherweise begrenzten Horizont meines Gegenüber lag es sicher nicht. War ich der Dame am Schalter denn so zuwider?

„Hier ist es ja. Ein Ticket nach Berlin?“ Sie zog die Augenbrauen hoch, und musterte mich von oben bis unten.

„So ist es.“ Nervös tippte ich mit den Fingern auf dem Kassenschalter herum. Konnte ich jetzt vielleicht endlich bezahlen? Es war ja nicht so, als wäre ich alleine in der Bahnhofshalle. Ganz im Gegenteil. Ich wagte einen Blick über meine Schulter, und erntete dafür aufgebrachte und missmutige Blicke der anderen wartenden Kunden. Ob sie davon ausgingen, dass ich und wirklich nur ich persönlich dafür verantwortlich war, dass die Dame am Schalter so gar nicht voran kam? Was kümmerte es mich? Wenn ich nur endlich das blöde Ticket bekommen würde!

Memo an mich: Zugtickets nur noch online buchen und zu Hause ausdrucken.

Eigentlich war mir schon seit der ersten Idee zu dieser Reise klar gewesen, dass es nicht unbedingt mein persönliches Highlight werden würde. Wieso ich es dennoch gebucht hatte? Nun, meiner Freundin zuliebe. Weitestgehend. Aber beginnen wir am besten erst einmal mit ein paar Details.

Eva und ich, wir hatten uns vor vielen Jahren im Urlaub mit unseren Eltern kennengelernt. Zu dieser Zeit hatten wir beide schon ein – naja sagen wir mal so – Alter, in dem man die eigenen Eltern so gar nicht mehr cool fand, und eigentlich nicht mit ihnen gesehen werden wollte. Aus unserer beider Not heraus schlossen wir uns relativ rasch zusammen, und wurden in der einen Woche richtige Freundinnen.

Eva war toll. Sie brachte mich zum Lachen, hatte eine Menge sinnloser Ideen, die aber dafür umso witziger waren, und uns so manche langweilige Stunde erträglich machten. Es schmerzte fast, als sich unsere Wege wieder trennten, aber wir versprachen uns, in Kontakt zu bleiben. Ob überhaupt eine von uns das wirklich beabsichtigt hatte, war fraglich, denn Urlaubsbekanntschaften blieben ja erfahrungsgemäß auch dort, wo sie begonnen hatten, und fanden so gut wie nie einen Weg in den Alltag.

Bei Eva und mir war es anders gelaufen. Wir hatten es tatsächlich geschafft, einen gewissen Kontakt aufrechtzuerhalten. Sie wohnte in München, ich in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet – sonderlich oft sehen konnten wir uns also nicht. Dennoch schrieben wir uns, und bis heute ist sie eine meiner engsten Vertrauten und eine wahre Freundin. Als sie vor ein paar Monaten auf die Idee kam, dass wir zu einem gemeinsamen Städtetrip aufbrechen könnten, war ich noch recht enthusiastisch. Ich hatte Eva über ein Jahr nicht gesehen, und ich reiste gerne. Wieso also nicht?

Leider hatte ich nicht in Erwägung gezogen, dass es ihr dabei nicht darum ging, mit mir zusammen ein Ziel auszusuchen. Vielmehr war es so, dass sie schon längst entschieden hatte, dass Berlin – und auch wirklich nur Berlin – in Frage käme. Wieso auch immer, die Hauptstadt hatte auf mich bislang keinerlei Reiz ausgeübt, und das änderte sich auch nicht, als Eva mir davon vorschwärmte. Sie war schon einmal dort gewesen, Abschlussfahrt mit ihrer Schulklasse. Sie liebte Großstädte schon immer,  und so war es wenig verwunderlich, dass auch Berlin ihr es regelrecht angetan hatte. Laut ihr müsste man es gesehen und vor allem erlebt haben, um es verstehen zu können.

Ich hatte da meine Zweifel, allerdings wusste sie, dass ich ihrem Flehen und Bitten irgendwann nachgeben und mich breitschlagen lassen würde.

Die Buchung des Hotels hatte Eva übernommen, meine Aufgabe bestand quasi nur darin, das Zugticket zu holen und am richtigen Tag im richtigen Zug zu sitzen. Das würde ich hinkriegen. Dachte ich.

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